Du hast Deine Stimme endlich im Griff, singst die hohen Töne sicher und hast vielleicht sogar schon ein paar Songs vor Publikum gesungen – und dann kommt das Mikrofon.
Plötzlich klingt alles anders.
Du hältst es zu weit weg, und Deine Stimme verschwindet. Du gehst näher ran, und jeder Atemzug klingt wie ein kleiner Orkan. Du drehst den Kopf zur Seite, und auf einmal ist Deine Stimme kaum noch zu hören.
Willkommen in der Welt der Mikrofontechnik beim Singen!
Die gute Nachricht: Du musst kein Tontechnik-Studium absolvieren, um mit einem Mikrofon gut zu singen. Mikrofontechnik ist eine Fähigkeit, die Du Schritt für Schritt lernen kannst. Und sie ist ein wichtiger Bestandteil davon, Singen zu lernen und Deine Stimme auch live sicher einzusetzen.
In diesem Artikel erfährst Du, wie Du Mikrofontechnik beim Singen trainierst, welche Fehler besonders häufig vorkommen und wie Du schon mit einfachen Übungen deutlich sicherer im Umgang mit dem Mikrofon wirst.
Mikrofontechnik bedeutet vereinfacht gesagt: Du lernst, Deine Stimme und das Mikrofon als Einheit zu benutzen.
Beim Singen ohne Mikrofon bestimmst Du hauptsächlich mit Deiner Stimme, wie laut, leise, präsent oder zurückhaltend Du klingst. Mit Mikrofon kommt ein zweites Werkzeug hinzu.
Das Mikrofon nimmt Deine Stimme auf und gibt sie über eine Lautsprecheranlage wieder. Dabei reagiert es unter anderem darauf,
Das bedeutet: Gutes Mikrofonieren ist nicht nur eine technische Angelegenheit. Es gehört zum Singen selbst dazu.
Gerade wenn Du auf einer Bühne, bei einer Hochzeit, in einer Band, im Musical, bei Karaoke oder bei einem Vorsingen singen möchtest, lohnt es sich deshalb, Mikrofontechnik gezielt zu lernen.
Vielleicht denkst Du jetzt: „Ich möchte doch eigentlich singen lernen. Warum soll ich mich auch noch mit Technik beschäftigen?“
Weil ein Mikrofon Deine Stimme nicht einfach nur lauter macht.
Es verändert, wie Deine Stimme beim Publikum ankommt.
Eine Sängerin oder ein Sänger kann stimmlich hervorragend sein – und trotzdem unsicher mit dem Mikrofon wirken. Umgekehrt kann eine gute Mikrofontechnik dafür sorgen, dass Deine Stimme deutlich kontrollierter, dynamischer und professioneller klingt.
Besonders wichtig ist das bei dynamischem Gesang.
Wenn Du beispielsweise in einer Strophe ganz leise und intim singst und im Refrain kräftiger wirst, soll das Publikum diesen Unterschied hören können. Das Mikrofon kann Dich dabei unterstützen – vorausgesetzt, Du weißt, wie Du damit umgehst.
Mikrofontechnik hilft Dir also dabei, Deine Stimme so einzusetzen, dass ihre musikalischen und emotionalen Feinheiten beim Publikum ankommen.
Eine der wichtigsten Grundlagen beim Singen mit Mikrofon ist der Abstand.
Als grobe Orientierung kannst Du zunächst mit etwa 5 bis 10 Zentimetern Abstand zwischen Mund und Mikrofon arbeiten. Das ist allerdings kein starres Gesetz.
Je nach Mikrofon, Gesangsstil, Lautstärke und gewünschtem Klang kann der optimale Abstand unterschiedlich sein.
Wichtiger als die exakte Zentimeterzahl ist, dass Du verstehst, was mit Deiner Stimme passiert, wenn Du den Abstand veränderst.
… wird Deine Stimme in der Regel kräftiger und unmittelbarer aufgenommen. Bei manchen Mikrofonen können außerdem tiefe Frequenzen stärker hervortreten.
… wird das Signal leiser. Gleichzeitig kann der Klang etwas offener und weniger direkt wirken.
Genau diese Veränderung kannst Du musikalisch nutzen.
Stell Dir vor, Du singst eine sehr intime Zeile. Du möchtest, dass sie fast so klingt, als würdest Du sie direkt einer Person ins Ohr singen.
Dann kann ein etwas geringerer Abstand zum Mikrofon interessant sein.
Kommt anschließend ein kräftiger Refrain, kannst Du etwas Abstand gewinnen.
Das Mikrofon wird damit zu einem regelrechten Lautstärke-Regler in Deiner Hand.
Wenn Du Mikrofontechnik lernen möchtest, solltest Du nicht nur darüber lesen.
Du solltest sie hören.
Nimm Dein Mikrofon und singe eine einfache Zeile Deines Lieblingssongs. Singe sie zunächst mit einem konstanten Abstand.
Danach wiederholst Du dieselbe Zeile mehrmals:
Hör Dir anschließend die Aufnahmen an.
Was verändert sich?
Wird Deine Stimme voller? Dünner? Näher? Entfernt? Bassiger? Härter?
Mach danach das gleiche mit unterschiedlichen Lautstärken.
Singe eine Zeile zunächst sehr leise und anschließend kräftig.
Jetzt versuche, den Abstand zum Mikrofon so zu verändern, dass die Lautstärkeunterschiede kontrolliert bleiben.
Das ist bereits echtes Mikrofontraining.
Auch die Art, wie Du das Mikrofon hältst, beeinflusst den Klang.
Halte das Mikrofon möglichst stabil am Griff.
Der Mikrofonkorb – also der Kopf des Mikrofons – sollte frei bleiben.
Ein häufiger Fehler ist, den Mikrofonkopf mit der Hand zu umschließen.
Das sieht auf der Bühne vielleicht spektakulär aus, kann aber die Richtcharakteristik des Mikrofons verändern und zu unerwünschten Klangveränderungen oder Rückkopplungen führen.
Für die meisten Sänger gilt daher:
Mikrofon am Griff halten, Mikrofonkopf frei lassen.
Achte außerdem darauf, dass Du das Mikrofon nicht ständig unbewusst vor dem Mund hin- und herbewegst.
Eine ruhige Hand sorgt für ein gleichmäßigeres Signal.
Beim Singen entstehen sogenannte Plosivlaute.
Das sind beispielsweise die Laute P, B und T, bei denen relativ plötzlich Luft aus Deinem Mund kommt.
Wenn diese Luft direkt auf die Mikrofonkapsel trifft, kann daraus ein störendes „Popp“-Geräusch entstehen.
Probier es einmal selbst:
Halte Deine Hand vor den Mund und sage deutlich:
„Peter packt Paprika.“
Du spürst bei den P-Lauten kleine Luftstöße.
Beim Mikrofon können diese Luftstöße deutlich hörbar werden.
Deshalb solltest Du nicht versuchen, mit Deinem Mund direkt auf die empfindlichste Stelle des Mikrofons zu zielen.
Ein leicht veränderter Winkel kann bereits helfen.
Du musst beim Singen nicht zwingend exakt gerade in das Mikrofon singen.
Je nach Mikrofon kann ein leicht seitlicher Winkel dabei helfen, bestimmte Luftgeräusche zu reduzieren.
Das solltest Du allerdings nicht übertreiben.
Wenn Du Deinen Kopf beim Singen ständig stark vom Mikrofon wegdrehst, verändert sich der Abstand und damit auch die Lautstärke.
Das führt uns zu einer weiteren wichtigen Regel:
Versuche, das Mikrofon so zu halten, dass es Deiner natürlichen Kopfbewegung möglichst gut folgt.
Das ist besonders wichtig, wenn Du beim Singen gestikulierst oder Dich auf der Bühne bewegst.
Hier wird Mikrofontechnik besonders spannend.
Viele Sänger machen beim kraftvollen Singen automatisch Folgendes:
Sie gehen näher ans Mikrofon.
Das kann genau das Gegenteil von dem sein, was Du möchtest.
Denn wenn Deine Stimme plötzlich sehr laut wird und Du gleichzeitig den Abstand verringerst, kann das Signal extrem stark werden.
Deshalb ist eine gute Grundregel:
Je kräftiger Du singst, desto eher darfst Du etwas Abstand zum Mikrofon nehmen.
Du musst dabei nicht plötzlich einen halben Meter zurückgehen.
Oft reichen kleine Bewegungen.
Zum Beispiel:
Das Ganze sollte möglichst fließend aussehen.
Auf der Bühne möchtest Du schließlich nicht aussehen, als würdest Du gerade einen Zollstock vermessen.
Gerade leises Singen kann mit Mikrofon wunderschön klingen.
Aber nur, wenn Du das Mikrofon entsprechend einsetzt.
Bei einer sehr leisen Passage kannst Du etwas näher ans Mikrofon gehen. Dadurch kann Deine Stimme präsent bleiben, obwohl Du selbst nur wenig Lautstärke erzeugst.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Du automatisch hauchen solltest.
Leise singen und hauchen sind zwei unterschiedliche Dinge.
Eine gut gestützte, leise gesungene Stimme kann sehr präsent wirken. Ein stark gehauchtes Signal kann dagegen schnell undeutlich oder dünn klingen.
Wenn Du Singen lernst, lohnt es sich deshalb, Deine Atemtechnik und Mikrofontechnik gemeinsam zu trainieren.
Du möchtest konkret loslegen?
Dann probiere diese kleine Übung aus.
Nimm einen Song, den Du gut kennst.
Singe dieselbe Zeile fünfmal und verändere dabei nur den Abstand zum Mikrofon.
Achte anschließend auf die Aufnahme.
Ziel: Du bekommst ein Gefühl dafür, wie stark bereits wenige Zentimeter den Klang verändern können.
Singe eine Passage:
Versuche, die Lautstärke durch Deine Mikrofonposition so zu beeinflussen, dass alle drei Varianten gut verständlich bleiben.
Dabei soll die Dynamik natürlich erhalten bleiben.
Singe einen ganzen Song und bewege Dich dabei bewusst.
Drehe Deinen Kopf leicht nach links und rechts.
Bewege Dich ein paar Schritte.
Gestikuliere.
Achte darauf, ob Deine Stimme plötzlich deutlich leiser wird.
Wenn ja, hast Du gerade einen wichtigen Teil der Mikrofontechnik entdeckt: Deine Position zum Mikrofon verändert Dein Signal.
Eine Smartphone-Aufnahme kann bereits erstaunlich hilfreich sein.
Noch besser ist es, wenn Du über eine kleine PA oder ein Audio-Interface aufnehmen kannst.
Hör Dir die Aufnahme anschließend nicht nur auf die Stimme bezogen an.
Frage Dich:
So entwickelst Du nach und nach Dein eigenes Mikrofongefühl.
Wenn Du professionell oder regelmäßig mit Mikrofon singen möchtest, kann es sinnvoll sein, Mikrofontechnik in Deinen Gesangsunterricht einzubauen.
Denn viele Probleme, die beim Mikrofonieren auftreten, hängen eigentlich mit der Stimme zusammen.
Beispielsweise:
Wenn Du ständig das Gefühl hast, lauter werden zu müssen, kann die Ursache darin liegen, dass Du Deine Stimme nicht optimal einsetzt.
Wenn Du bei leisen Passagen kaum hörbar bist, kann Atemführung oder Stimmansatz eine Rolle spielen.
Wenn Deine Stimme bei hohen Tönen sehr stark wird, kann es ebenfalls sinnvoll sein, zunächst an Deiner Gesangstechnik zu arbeiten.
Mikrofontechnik ersetzt also keine gute Gesangstechnik. Sie ergänzt sie.
Wenn Du Singen lernen möchtest, lohnt es sich deshalb, beide Bereiche miteinander zu verbinden.
Auch das Mikrofon selbst spielt eine Rolle.
Grundsätzlich werden beim Gesang häufig dynamische Mikrofone eingesetzt. Sie sind robust und eignen sich gut für Live-Situationen.
Kondensatormikrofone können ebenfalls hervorragend für Gesang geeignet sein und werden häufig im Studio verwendet.
Welches Mikrofon für Dich sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wo und wie Du singst.
Für die Bühne gelten andere Anforderungen als für eine Studioaufnahme.
Wenn Du gerade erst anfängst, musst Du allerdings nicht sofort ein Vermögen für Equipment ausgeben.
Viel wichtiger ist zunächst, dass Du lernst, mit einem Mikrofon kontrolliert umzugehen.
Denn das teuerste Mikrofon der Welt hilft Dir wenig, wenn Du es bei jedem zweiten Satz in eine andere Richtung hältst.
Ein Klassiker bei Live-Auftritten:
Du singst gerade wunderschön.
Und plötzlich:
Fiiiiiiiiiep!
Eine Rückkopplung entsteht, wenn ein Teil des vom Lautsprecher ausgegebenen Signals wieder vom Mikrofon aufgenommen und erneut verstärkt wird.
Das kann sich zu einem unangenehmen Pfeifen oder Dröhnen entwickeln.
Deshalb solltest Du mit dem Mikrofon nicht unnötig direkt auf einen Lautsprecher zielen.
Auch das Umfassen des Mikrofonkopfes kann problematisch sein, weil dadurch die Richtwirkung des Mikrofons verändert werden kann.
Wenn Du mit einer Band oder einer Tontechnikerin beziehungsweise einem Tontechniker arbeitest, ist außerdem wichtig, auf deren Hinweise zu achten.
Bei einem Live-Auftritt bist Du nämlich nicht allein für den Klang verantwortlich.
Einer der häufigsten Fehler ist erstaunlich simpel:
Du vergisst das Mikrofon.
Du konzentrierst Dich auf den Song, die Tonhöhe, den Text, Deine Atmung, Deine Körpersprache – und plötzlich hängt das Mikrofon irgendwo neben Deinem Mund.
Das passiert vor allem am Anfang völlig automatisch.
Deshalb solltest Du Mikrofontechnik genauso üben wie andere Bestandteile des Singens.
Wenn Du einen Song ohnehin regelmäßig trainierst, baue das Mikrofon einfach in Deine Übung ein.
Singe nicht immer nur „trocken“ und stelle Dich erst kurz vor dem Auftritt mit einem Mikrofon auf die Bühne.
Je vertrauter Dir das Mikrofon beim Üben ist, desto weniger Aufmerksamkeit musst Du später dafür aufbringen.
Wenn Du gerade erst mit Mikrofontechnik beginnst, musst Du nicht alles gleichzeitig beherrschen.
Konzentriere Dich zunächst auf fünf Punkte:
So bekommst Du ein Gefühl dafür, wie Deine Stimme über das Mikrofon klingt.
Ruhige Bewegungen wirken professioneller und sorgen für ein gleichmäßigeres Signal.
Halte das Mikrofon am Griff.
Bei sehr lauten Stellen darfst Du etwas Abstand gewinnen.
Bei leisen Passagen kannst Du näher herangehen.
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt.
Was sich beim Singen richtig anfühlt, muss sich auf der Aufnahme nicht automatisch richtig anhören.
Wenn Du ausschließlich zu Hause singst, brauchst Du natürlich keine ausgefeilte Bühnen-Mikrofontechnik.
Sobald Du aber vor anderen Menschen singst, regelmäßig auftrittst oder Deine Songs aufnehmen möchtest, wird sie sehr hilfreich.
Denn Dein Ziel ist letztlich nicht:
„Ich möchte möglichst gut mit einem Mikrofon umgehen.“
Dein Ziel ist:
„Ich möchte, dass meine Stimme genauso gut beim Publikum ankommt, wie ich sie beim Singen empfinde.“
Und genau dabei hilft Dir Mikrofontechnik.
Singen lernen besteht aus viel mehr als nur die richtigen Töne zu treffen.
Du entwickelst Deine Stimme, lernst Atem und Körper einzusetzen, arbeitest an Intonation, Rhythmus, Ausdruck und Interpretation – und irgendwann möchtest Du Deine Stimme vielleicht auch vor Publikum präsentieren.
Dann kommt das Mikrofon ins Spiel.
Es ist kein Gegner und schon gar kein kompliziertes technisches Monster.
Betrachte es lieber als Verlängerung Deiner Stimme.
Je besser Du Dich mit Deinem Mikrofon auskennst, desto weniger musst Du darüber nachdenken. Irgendwann bewegst Du es automatisch ein kleines Stück nach vorne oder hinten, ohne bewusst darüber nachzudenken.
Und genau dann beginnt Mikrofontechnik wirklich Spaß zu machen.
Wenn Du Singen lernen möchtest, fang nicht damit an, sofort alles perfekt machen zu wollen.
Nimm Dir einen Song, den Du gerne singst, ein Mikrofon und ein Aufnahmegerät.
Sing eine Passage mehrmals und experimentiere bewusst mit Abstand, Lautstärke und Bewegung.
Hör Dir anschließend die Aufnahme an.
Du wirst wahrscheinlich schon beim ersten Versuch feststellen: Ein paar Zentimeter können erstaunlich viel verändern.
Und je häufiger Du das ausprobierst, desto natürlicher wird der Umgang mit dem Mikrofon.
Mikrofontechnik lernst Du nicht durch Auswendiglernen – Du lernst sie durch Hören, Ausprobieren und Wiederholen.
Genau wie beim Singen selbst.
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